Hamburger Abendblatt:

Spanier trauerten vor dem Rathaus

Brennende Kerzen im Eingang des Rathauses, handgeschriebene Briefe an der Wand und spanische Fahnen mit schwarzem Trauerflor - gestern vormittag versammelten sich 300 Menschen auf dem Rathausmarkt, um der Opfer des Anschlags von Madrid zu gedenken.

Die Solidaritätskundgebung der spanischen Kolonie Hamburgs (4000 Mitglieder) stand unter dem Motto: "Heute sind wir alle Madrilenen." Acht Initiativen und Vereine hatten dazu aufgerufen. Der spanische Lehrer Emilio Diaz-Miranda sagte in seiner Ansprache: "Diese Art von Attentat ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, weil wir - vor politischen oder religiösen Rechten - alle das Recht auf Leben haben".

Zu sehen war auch ein spanisches Protest-Symbol: zwei weiße Hände auf einem schwarzen Plakat. "Das bedeutet: Unsere Hände sind sauber, wir sind keine Separatisten", sagte die 25-jährige Studentin Sandra Domingez-Moran.

reba

erschienen am 15. März 2004


Rede von Emilio Diaz-Miranda

am 14. März um 11.00 Uhr vor dem Hamburger Rathaus anlässlich der Solidaritätskundgebung der spanischen Kolonie Hamburgs mit den Opfern des Anschlags von Madrid

Heute sind wir alle Madrilenen, Spanier

Wir haben uns hier versammelt um unsere Solidarität mit den Opfern des Terroranschlages von Madrid zu bezeugen.
Wir fühlen uns solidarisch mit den Opfern und ihren Angehörigen. Und mit der Bevölkerung von Madrid.
Solidarisch mit Madrid und mit dem ganzen spanischen Volk.
Heute fühlen wir uns alle als Spanier - jede auf seine ganz eigene Art und Weise, aber jeder mit seinem ganzen Herzen.
Wir alle fühlen uns als Spanier und wir drücken unseren unerschütterlichen Willen aus, uns diesem erpresserischen Fanatismus nicht zu beugen.

Ich sage "Fanatismus", denn wer immer die Bomben so feige gezündet hat, ob es nun ETA oder Al Kaida war, eine Sache ist sicher: Wir werden uns keinen Zentimeter von der Verteidigung der Demokratie, der Menschenrechte, der Freiheit abbringen lassen. Genauso hat es schon der große Martin Luther King gesagt.

Wir, die in Hamburg lebenden Spanier, haben schon per Briefwahl unsere Stimme für die heute stattfindende Wahl zum spanischen Parlament abgegeben. Ich weiß, dass viele nicht gewählt haben, weil sie sich angewidert gefühlt haben - nicht so sehr von der Politik, sondern von dem politischen Ränkespiel. Aber eine Sache ist auch klar: noch angewiderter sind wir vom Terrorismus, egal ob er religiös, nationalistisch, politisch oder sonst wie motiviert ist, egal, ob er von einzelnen, von Gruppen oder von Staaten ausgeht. JEDE FORM DES TERRORISMUS ist kriminell.

Es gibt Proteste in Spanien weil, anscheinend, das Fernsehen und die öffentlichen Medien die Informationen manipulieren und nur die offizielle Stimme der Regierung zu Wort kommen lassen. Klar ist, dass je nach politischem Interesse die einen die Schuld der ETA geben und die anderen die Schuld der Al Kaida. Aber das sind parteipolitische Kalküls.

Ich sage, dieses terroristische Attentat ist kein Attentat, was man als politisches oder religiöses bezeichnen kann. Ich sage, dieses Attentat gegen die unschuldige Zivilbevölkerung ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Und ich füge hinzu: Kein politisches Motiv kann unschuldige Opfer unter der Zivilbevölkerung rechtfertigen. In diesem Zusammenhang wollen wir uns daran erinnern, dass mehr als 90% der spanischen Bevölkerung gegen den Irak-Krieg war. Ich wiederhole, diese Art von Attentat ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Gegen die Menschheit, weil - bevor wir politische oder religiöse Rechte haben, wir alle das Recht auf Leben haben.