Enneagramm

Was ist Enneagramm?

Das Enneagramm, griechisch "Neunerfigur", bezeichnet ein geometrisches Symbol, bestehend aus einer Verbindung von neun Punkten auf einer Kreislinie. Die innere Struktur wird durch ein gleichschenkliges Dreieck mit der Spitze nach oben gebildet. Die Verbindungslinien der restlichen sechs Punkte, die die Punkte des Dreiecks flankieren, bilden somit die äußere Form. Der armenische Mystiker G.I.Gurdjieff führt das Enneagramm auf die Sarmaun-Bruderschaft zurück - eine über tausend Jahre alte Gemeinschaft von Wahrheitssuchern in Zentralasien, für die das Enneagramm alle Aspekte des universellen Wissens verkörpert.



Dieses geheimnisvolle Symbol umfasst verschiedene Bedeutungsebenen und eröffnet mehrere Sichtweisen und Interpretationsmöglichkeiten. So kann das Enneagramm als psychologische Landkarte zum Verständnis von Persönlichkeitsstrukturen benutzt werden. Als spirituelles System bietet es eine Orientierungshilfe, um zum Wesenskern - dem höheren Selbst oder zum Kontakt mit überindividuellen Kräften - zurückzufinden. Gurdjieffs Schüler, der englische Esoteriker J.G.Bennett, und Oscar Ichazo, der Begründer des Arica-Instituts, der eine Synthese aus östlichen Meditationsmethoden und moderner westlicher Psychologie lehrte, behaupten, dass das Enneagramm seinen Ursprung in der Mystik des Islam habe und ein Geheimsymbol der Sufis sei, die in den neun Kreispunkten "das Angesicht Gottes", die archetypischen Aspekte des Göttlichen verkörpert sahen: (1) Der Herrscher - Vollkommenheit, (2) die Göttliche Mutter - Barmherzigkeit, (3) der Magier - Erfolg, (4) der Künstler - Schöpferkraft, (5) der mystische Philosoph - Weisheit, (6) der Held - Mut, (7) der Narr - Glückseligkeit, (8) der Krieger - Gerechtigkeit und (9) der Heilige - Liebe. Diese Archetypen repräsentieren das höhere Selbst, das sich in den erwachten Qualitäten neun verschiedener Menschheitstypen entsprechend widerspiegelt. Ursprünglich diente das Symbol des Enneagramm der spirituellen Selbsterkenntnis und wurde von den Sufimeistern dazu benutzt, den Schülern zu helfen, typische Fixierungen des Egos oder Leidenschaften, die die archetypischen Tugenden verschleiern, zu erkennen. So treten die Schattenseiten der idealen, dem Göttlichen zugeschriebenen, Eigenschaften als Zorn (1), Stolz (2), Täuschung (3), Neid (4), Habsucht (5), Angst (6), Unmäßigkeit (7), Wollust (8) und Bequemlichkeit (9) in Erscheinung. Die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den neun menschlichen Grundmustern der Psyche, die entsprechende Selbstbilder, Vermeidungsstrategien, Abwehrmechanismen, Ziele und positiv erhöhte Eigenschaften besitzen, setzt einen lebendigen Prozess des Verstehens der persönlichen Begrenzungen, der Schwächen und Stärken in Gang, der zu innerer Heilung und zu seelischem Wachstum führen kann. Die Arbeit mit dem Enneagramm im Selbststudium oder in einer Gruppe hat zum Ziel, den eigenen Typus herauszufinden, die Automatik der wiederkehrenden Lebensthemen zu studieren, die verborgenen An-triebsmechanismen zu erkennen, die höheren Aspekte des eigenen Charakters zum Wesenskern zurückzuführen und die bewusste Wahrnehmung, den innersten Beobachter, zu schulen.